„Die Natur nimmt dich so wie du bist. Sie stellt dich niemals infrage!“

Interviewpremiere mit Doris Nachtlberger und Udo Feldmann von „Naturresilienz & Co.“

doris udo kaffee

Bettina Reicher (alias die Waldfee): Hallo liebe Doris und lieber Udo! Ich freue mich, dass ihr da seid und ich euch interviewen darf.

Doris Nachtlberger & Udo Feldmann: Danke liebe Bettina, wir freuen uns auch.

Bettina: Als Einstieg würde ich euch bitten, euch gegenseitig vorzustellen. Nicht unbedingt eure beruflichen Stationen, sondern zur Persönlichkeit – also in wenigen Worten beschreiben, was macht Doris aus, was zeichnet Udo aus?

Doris: Udo ist der Abenteuermann. Was ihn auszeichnet ist seine unglaubliche Zuversicht, seine Fähigkeit, Menschen zum Lachen zu bringen und das Lebendige spüren zu lassen, seine Spontanität, Kreativität und seine offene Lernbereitschaft – auch im Alter noch (lacht) …

Udo: Was macht die Doris aus? Hm. Ich finde sie kann den Menschen unheimlich schön etwas erklären, was ich nicht so schaffe. Sie ist sehr präsent, hat den Fokus total auf ihre Arbeit gerichtet. Sie ist im Hier und Jetzt, erzählt tolle Geschichten, ist sehr, sehr belesen in ihrer Kampfkunst und ihrer Naturresilienz. Auch mit mir kann sie super umgehen (lacht). Wir passen als Team wirklich super zusammen.

Bettina: Wie seid ihr darauf gekommen, das Projekt „Naturresilienz & Co.“ auf die Beine zu stellen?

Doris: Es ging vor allem darum, unsere beiden Expertisen zu verbinden. Udo hat immer schon seine Survivalsachen gemacht und ich die professionelle psychosoziale Kampfkunst und wir haben schon seit Jahren, seit wir uns kennen, diese Mission gehabt.
Dieses Training auf zutiefst existentieller menschlicher Ebene ist die Ebene, wo wir uns treffen. Im Natur-Resilienz-Training ® können wir Menschen gemeinsam in Bewegung, in Begegnung und auch zur Besinnung bringen. Das ist quasi unsere Schnittmenge. Wir wollten einfach gerne etwas gemeinsam machen und es war ein Zufall, dass es diese Ausbildung gab und damit auch eine Gelegenheit, unsere Beziehung auf die Probe zu stellen (lacht).

Udo: Wir haben dann gemeinsam in einem Kloster in Deutschland diese Ausbildung absolviert. Dieses Kloster ist lustigerweise verwandt mit dem Kloster in Gablitz – das ist derselbe Orden, das war aber Zufall.

Bettina: Udo, kannst du uns erklären was man sich unter Survival vorstellen kann?

Udo: Survival ist in meinen Begriffen die Fähigkeit, in einer Notsituation so gut wie möglich zu reagieren, um da wieder rauszukommen. Das kann wirklich alles sein. Ich habe mich auf Survival im Wald spezialisiert durch meine Tierfotografie. Ich habe mir immer Unterstände gebaut, damit ich daraus mit meinem Tarngilli die Tiere fotografieren kann und wirklich super Aufnahmen habe.
Dann bin ich als Taxifahrer in ein Burnout gerutscht. In dieser Phase sind wir darauf gestoßen, dass man sich als Survivaltrainer zertifizieren lassen kann, was für mich optimal war, weil ich dieses Überlebenstraining ja schon immer gemacht habe.
Mein Spezialgebiet ist es, mit Laub, Ästen und Zweigen, einen schönen Unterschlupf zu bauen, wo man vom Regen wirklich geschützt ist. Es gibt ein Sommershelter und ein Wintershelter – darauf habe ich mich spezialisiert. Das zweite, worauf ich mich spezialisiert habe, sind Bindetechniken ohne Knoten. Damit Otto-Normalverbraucher nicht viel denken muss und mit ganz einfachen Techniken eine Schlinge machen kann, um zum Beispiel eine Treppe oder einen Hochstand zu bauen. Auch mit Sägetechniken kenne ich mich sehr gut aus. Das Survival das ich anbiete, ist so simpel, dass man mit einfachen Techniken zum Beispiel eine Trage bauen kann, mit der man einen Menschen im Notfall abtransportieren kann.

Bettina: Das klingt echt spannend. Wie lange beschäftigst du dich schon mit Survival, dass du das alles kannst und weißt?

Udo: Mein ganzes Leben eigentlich. Wirklich mein ganzes Leben. Auch in meiner Kindheit hatte ich schon mit Survival zu tun, nur mit einer anderen Art von Survival. Weil es darum ging, dass ich es als Kind geschafft habe, sehr extreme Situationen zu überleben.
Ich habe mich immer selbst entwickelt, bin fast nie in die Schule gegangen. Mein Schulweg war vier Kilometer lang. Ich bin aber fast nie dort angekommen, weil mir immer irgendwas anderes in der Natur wichtiger war. So habe ich mich immer weiterentwickelt im Survival. Die Natur, der Wald, das ist einfach mein Zuhause. Ich kann mit den Tieren kommunizieren, ich spreche mit ihnen. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an. Aber jeder Vogel hat bestimmte Sprachweisen, wann das Baby gefüttert wird, wann er wegfliegt, wann er zurückkommt, in der Paarungszeit… jeder Vogel hat einen bestimmten Laut. Das habe ich im Lauf der Jahre erkannt zu lesen. So kann man das sagen. Und so bin ich immer weiter hineingerutscht.

Bettina: Also war dieser enge Bezug zur Natur bei dir schon immer da?

Udo: Ja, der war schon immer da. Ist aber auch aus einer Angst heraus entstanden. Die Eltern haben oft gesagt, du darfst da nicht hineingehen in den Wald, da sind die bösen Wölfe und diese ganzen Schauergeschichten die man sich so erzählt. Aber ich habe das nie ernst genommen, nie. Ich habe sogar mal mit einem Kugelblitz gespielt. Auf einem Weg bin ich auf einen Baum gestoßen wo plötzlich ein Blitz hineingefahren ist. Ich hab gesehen, wie eine Kugel auf mich zukommt. Da habe ich die Kugel angeguckt und sie ist wieder verschwunden. Mit der Natur hatte ich irgendwie immer schon eine Verbindung. Es ist einfach irre. Ich hab wirklich viele schöne Sachen gesehen, die ich mir nie erklären kann. Also ich muss gut sein für die Natur, sonst würde das nie so sein. Was mich auch sehr beeindruckt sind diese Regenbögen, wenn ich auf dem Gebirge war. Ich hab schon vier hintereinander gesehen. Auch außergewöhnliche Tiere sehe ich immer wieder. Oder wenn ich draußen schlafe und plötzlich ein Eichhörnchen über mich drüber springt… Das sind solche Sachen, die mich faszinieren. Darüber kann ich stundenlang erzählen über solche Begegnungen im Wald.

Bettina: Hast du das Gefühl, Tiere sind dir näher als Menschen?

Udo: Ja, viel näher. Die tun mir nichts. Es gibt natürlich auch Tiere, für die ich das Opfer wäre, ein Rudel Wölfe zum Beispiel. Aber ich weiß als Opfer, wie ich zu reagieren habe. Ein Rudel Wölfe wird dich immer verfolgen und dich immer von hinten angreifen, nie frontal. Also wenn ich beispielsweise eine Felswand im Rücken habe, würden sie mich nicht angreifen, niemals. Das sind solche Sachen.

Bettina: War dieser Bezug zur Natur bei dir auch schon immer da Doris?

Doris: Ja, ich bin auch immer in die Natur gegangen. Ich würde nicht sagen geflüchtet, aber ich habe mich dorthin zurückgezogen. Ich war auch immer allein in der Natur unterwegs, oder später auch mit meinem Hund, und habe mir dort immer mit Vorliebe Lager gebaut und bin durch die Wälder gestreift – immer auf Abenteuersuche. Ich habe es geliebt, wenn der Sturm gekommen ist. Die Elemente zu spüren, das war immer ganz wichtig und aufregend für mich. Wind und Sonne, das Wasser, aber auch die Tiere – das war immer schon da. Dass mir Tiere näher sind als Menschen würde ich heute nicht mehr sagen, aber das war auch lange Zeit so für mich. Und Bäume! Ich hatte zu Bäumen immer eine sehr starke Beziehung. Die Bäume waren für mich immer Freunde, das waren meine Brüder und Schwestern. Ich bin in den Wald gegangen und hab mit den Bäumen geredet und sie haben auch mit mir geredet. Ich habe ihnen immer Fragen gestellt und habe dann auch Antworten bekommen. So habe ich das erlebt mit diesen Baumenergien. Im Wald habe ich mich immer sicher gefühlt. Es war einfach spannend in der Natur zu sein. Ich hab da nie Angst gehabt. Der Wald war für mich immer ein sicherer Ort.

Bettina: Also der Wald als Zufluchtsort…

Doris: Ja, total! Das war auch später in der Jugend so. Ich hab mich auch als Jugendliche in schwierigen Zeiten immer in die Natur zurückgezogen um dort einfach aufgenommen zu werden. Ich bin ja damals nicht in den Wald gegangen, um mich zu erholen oder gute Luft zu atmen. Sondern einfach um Heimat zu empfinden: Heimat, Schutz und Freunde. Das war die Motivation. Ich konnte dort einfach glücklich und angstfrei sein. Allein im Wald fühlte ich mich trotzdem in eine Gemeinschaft eingebettet.

Udo: Ich musss aber auch sagen, ich bin totaler Einzelgänger. Mein ganzes Leben schon.

Doris: Das war ich auch immer.

Udo: Ja. Und durch die ganzen Schulwechsel konnte ich mir gar keine Freunde suchen. Weil wenn die mal wussten, dass ich Udo hieß, sind wir schon wieder umgezogen. Aber die Natur, die hab ich immer mitgenommen, auch wenn es immer eine andere Natur war. Eine Pfütze ist für mich einfach irre. Da spring ich rein oder bematsche mich oder tarne mich.

Doris: Dazu möchte ich sagen, um die Brücke zur Naturresilienz zu bauen, es ist witzig, weil ich durch deine Frage erst verstanden habe, was ich eigentlich in der Naturresilienz mache. Es ist dieser Versuch, die Natur als Raum für den Menschen wieder zugänglich zu machen, erfahrbar zu machen, diese Verbindung zur Natur wieder bewusst herzustellen und zuzulassen. Das ist der Punkt. Es geht ums Zulassen. Weil man da auch dieses Angenommensein wieder erfährt. Die Natur nimmt dich so wie du bist. Sie stellt dich niemals in Frage. Und das ist ja genau das, was man im Menschsein mit anderen Menschen so oft erlebt, dieses Infrage-gestellt-werden.

Es geht ja sehr stark um dieses Bewertetwerden von außen und das ist etwas, was uns allen sehr viel Stress macht oder uns aus dem Gleichgewicht bringt. Und weil die Natur ein lebendiger Raum ist – und die Natur ist ja auch wesenhaft – bewertet sie nicht und nimmt dich an, ganz unmittelbar. Und wenn man sich auf das wieder einlässt, auf diese Offenheit, das ist ein ganz wichtiger Inhalt in der Naturresilienz. Dass du dir die Zeit nimmst, mit dieser Form von Offenheit in diesen Raum einzutauchen. Deshalb haben wir auch einen eigenen Raum dafür geschaffen (Anm.: den „Zauberwald“), weil es nicht darum geht, durch die Natur einfach nur durchzugehen, sondern wirklich sich örtlich, räumlich niederzulassen, um diese Erfahrung ungestört zu ermöglichen.

In dieser Verbundenheit zur Natur kann man sich selbst wieder ganz anders spüren, stark und positiv. So wird über die Naturverbundenheit, über diese Aktivierung, die Verbindung zu sich selbst wieder gestärkt und aktiviert. Das ist alles für die Frage der Resilienz zentral.

Udo: Und was für mich ganz wichtig ist: Die Natur ist haptisch, man kann sie angreifen. Jede Baumrinde hat eine andere Struktur, glatt, rau, es gibt ganz kalte Bäume, es gibt warme Bäume und jeder Baum riecht auch anders. Da kommen wieder alle Sinne zum Einsatz: die Gerüche, die Geräusche – jeder Baum hört sich anders an, wenn der Wind durchpfeift.

Doris: Ja, genau. Es ist echt interessant was man im Rahmen von einem Interview alles beginnt zu begreifen. Das ist genau das, wie man es angeht. Diese Aktivierung der Sinne, die über diese Naturebene angesprochen werden. Dazu kann man auch Übungen machen, Spiele, was auch immer. Diese Sinnesaktivierung bewirkt dann auch diese Öffnung im Herzen, weil ich da aus dem Kopf rauskomme. Die Sinne spielen sich im Körper ab, das heißt ich bin im Körper. Und wenn ich dann diesen ganzen Gedankenballast fallenlassen kann, dann kann sich das Herz auch wieder öffnen. So funktioniert das wahrscheinlich kam mir jetzt die Idee.

Udo: Und was auch noch ein Punkt ist: Ich setze mich zum Beispiel manchmal an einen Baum, lehne mich am Stamm an und gucke einfach, welche Tiere sich in fünf Meter Umkreis zu mir aufhalten. Da gibt es alle Tiere, von klein bis groß, Vögel, Rehe, alles. Du musst halt leise sein. Und jedes hat seine eigene Wohnung, die Natur. Irgendwo wohnt es, irgendwo schläft es. Man geht auf einmal viel achtsamer durch die Natur. Wenn ich durch den Wald gehe, steige ich nicht mehr auf Wurzeln drauf, weil das wäre so, als ob ich dir auf die Finger treten würde. Heute habe ich zum Beispiel einen Baum abgesägt und mich bei ihm dafür entschuldigt. Jeder Baum lebt mit irgendeinem anderen Lebewesen zusammen, mit einer Pflanze, einem Pilz, und die kommunizieren auch über die Wurzeln. Und allein schon, was der Baum mir alles gibt! Er gibt mir Wärme, er gibt mir Saft – es gibt ja einige Bäume, da kann man den Saft trinken…

Doris: Sauerstoff!

Udo: Ja, Sauerstoff natürlich. Der Baum hat auch diese besondere Bewegung. Wenn ich am Rücken liege und mir die Bäume anschaue, sehe ich dieses Wippen, die Blätter, die Äste, das ist wie in einer Wiege. Und jedes Mal, wenn ich mich an den gleichen Platz setze, entdecke ich etwas Neues. Man kann nicht sagen, das habe ich alles schon gesehen. Das ist unmöglich. Das geht einfach nicht. Es ist immer anders. Oder auch die Gerüche. Im Sommer, im Herbst, im Winter riechen die Bäume immer anders. Da gibt es so eine Duftsaison sag ich jetzt mal. Es ist gigantisch.

Doris: Das ist auch dieses Abenteuer. Ein Erleben auf Abenteuerebene, wenn man sich darauf mal so richtig einlässt.

Bettina: Ganz banal gesprochen könnte man das ja auch machen, wenn man allein in den Wald geht. Warum sollte man also bei euch ein Natur-Resilienz-Training ® buchen?

Doris: Das ist eine Frage die nervt (lacht).

Udo: In meinen Augen ist das ganz einfach. Ich glaube schon, dass Doris und ich so ein großes Wissen über die Natur haben, um dich einfach wieder auf die Natur einzustimmen. Wir führen dich als Mentoren dahin.

Doris: Ich stell die Frage anders: Gehst du denn allein in die Natur? Das ist der Punkt. Unser Angebot richtet sich ja an jene Menschen, die das nicht machen. Und es geht auch nicht um Erholungszwecke, es ist ein Resilienztraining.

Udo: Es geht auch viel um Ängste. Wenn die Menschen bei uns beim Tor reinkommen sind sie ängstlich, zurückhaltend und denken oft nur daran, ob sie Handyempfang haben. Aber wenn sie gehen, dann wollen sie nicht mehr weg. Weil wir ihnen als Mentoren etwas gezeigt haben, was eigentlich ganz banal und simpel ist, aber von uns mit so vielen neuen Eindrücken, Informationen, Gerüchen, Geschmäckern bestückt wird, auch das Kochen über dem Feuer, da gibt es keine Worte dafür.

Doris: Das was Natur-Resilienz-Training ® ausmacht und es von anderen Nutzungen der Natur unterscheidet ist, dass wir die Natur nicht als Kulisse nützen oder als Gast betreten, sondern wir uns als lebendige Wesen als Teil von ihr begreifen und uns der Verbindung mit ihr wieder bewusst werden sollen. „Naturresilienz & Co.“ ist für Menschen gedacht, die ihren Halt und die Balance im Leben verloren haben. Im „Zauberwald“ lernen Sie wieder Anker zu setzen und ihre Herzen zu öffnen.

Der Stresspegel wird automatisch heruntergefahren, da müssen wir gar nicht großartig etwas dazu beitragen. Das ist das, was die Natur uns schenkt. Wir haben sozusagen den Modus dafür vorbereitet, dass ein Natur-Resilienz-Training ® stattfinden kann. Beim Resilienztraining geht es ja darum, die psychische Widerstandskraft zu stärken. Und da haben wir unsere Methoden, die wir auch aus unseren anderen Expertisen beziehen. Beim Survival geht es um Haltungen und Perspektiven, auch um diesen existenziellen Punkt, wenn es um die Wurst geht, wie man da am besten vorgeht – um kreatives Lösungsdenken. In solchen Situationen geht es stark um die Kompetenz der Stressregulierung. Das sind alles Dinge, die man bei uns lernt. Das heißt wir zeigen Wege auf, die praktisch orientiert sind, durch Übungen manifestiert werden, konkretisiert werden, eingelernt werden – es ist bei uns nicht theorielastig. Wir vermitteln schon auch theoretische Kenntnisse zum Thema Resilienz, wobei uns die Natur als Raum, als Vorbild und als Kraftquelle hilft. Wir Menschen sind auch Teil der Natur und es geht darum, dass wir uns dieser Natürlichkeit wieder erinnern, besinnen. Die Natur ist hier eine Lehrmeisterin. Bei uns gibt es vielleicht 30 Prozent Theorie und 70 Prozent Erleben, Erfahrungen machen und auch Übungen, um die Resilienz wirklich zu stärken.

Du lernst also nicht nur, wie du deine eigene Resilienz im Alltag stärken kannst, sondern es findet wirklich eine Stärkung deiner Resilienz schon vor Ort statt. Es ist ein Training für Körper, Geist und Seele. Intensiv, aber weder stressig noch anstrengend. Sondern „zauberhaft“ in unserem Zauberwald, den wir dafür entsprechend adaptiert haben. Das ganze Natur-Resilienz-Training ® findet in Ruhe statt und es wird auch viel gelacht – es geht um diese Balance: auch wenn man aktiv ist, ist man in Ruhe. Der zeitliche Rahmen ist so bemessen, dass man nicht irgendwelche Dinge abhaken muss, sondern einfach mal rauskommt aus dem Leistungsstress, aus dem Leistungsdenken, dass man einfach sein kann. Dass man die eigene Daseinsberechtigung wieder ganz bewusst erfährt. Darum dauert unser Grundsatzkurs auch vier Tage, damit wirklich genug Zeit ist. Weil, so wie Udo vorher gesagt hat, kommen die Leute oft sehr gestresst zu uns, kippen dann aber so in dieses Zeit-Ort-Gefüge hinein, dass sie wirklich die Zeit verlieren.

Udo: Ja, man verliert sie einfach. Am Anfang schauen sie immer auf die Uhr, in ihr Handy, es wird viel fotografiert und angerufen. Aber nach gefühlten vier Stunden hat niemand mehr ein Handy in der Hand oder Ohrstöpsel im Ohr. Wir haben ja unglaublich viele unterschiedliche Gruppen.

Bettina: Wer sind denn eure Zielgruppen?

Doris: In erster Linie Multiplikatoren, Pädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen -also Menschen, die auch mit Menschen arbeiten und von daher auch eher burnoutgefährdet sind. Aber grundsätzlich richtet sich unser Kursangebot an alle Menschen, die ihre Resilienz stärken wollen aus den unterschiedlichsten Gründen. Deshalb sind wir für alle offen, denen es um dieses Thema geht.

Bettina: Welche Einstellung sollten Interessierte mitbringen?

Doris: Die Bereitschaft für den Weg zum Ziel, die eigene Resilienz zu stärken, reicht vollkommen. Einfach sich auf neue Dinge einzulassen, aber das passiert automatisch. Das ist einfach die Wirksamkeit des Raumes, der Zauberwald mit seiner Wirkung, dass man sich darum nicht großartig kümmern muss. Die nötige Offenheit, um neue Perspektiven einnehmen zu können und neue Erfahrungen zu machen, passiert dort ohnehin in kürzester Zeit.

Udo: Ich muss aber auch sagen, es ist wirklich ein sehr nachhaltiges Mikro-Abenteuer. Manchmal kommen unsere Kunden auch ein zweites oder drittes Mal.

Bettina: Was ist das Wichtigste, das ihr euren Teilnehmern mitgeben wollt?

Doris: Das sind mehrere Sachen. Was jedenfalls immer passiert ist, dass sie eine Auszeit erleben, die sie aus ihrem Alltag mit Sicherheit rauskatapultiert, was natürlich eine entsprechende Wirksamkeit hat. Also dass man Abstand zum Alltag gewinnt und neue Perspektiven entwickeln kann, das passiert auf jeden Fall. Was auch auf jeden Fall passiert ist, dass sie viel Freude in dieser Zeit erleben, das heißt, dass diese positive Emotion gestärkt wird. Insgesamt kommt es zu einer positiven Ausrichtung, einer lebensbejahenden, es wird die eigene Lebendigkeit aktiviert und wieder ins Zentrum gestellt. Das sind die Dinge, die man leiblich auch erfährt und mitnimmt. Darüber hinaus wird auch Wissen vermittelt. Hier geht’s um Stressregulierung. Es wird ein funktionaler Blick hinter die Kulisse von Stresserleben geworfen und es werden konkrete Werkzeuge beigebracht, wie man sich mit einfachen, alltagstauglichen Methoden selbst helfen kann. Der Mut wird gestärkt, die Kreativität in Schwung gebracht, man wird uns mit mehr Leichtigkeit verlassen als man gekommen ist. Und es soll auch einfach das Bewusstsein erhöht werden über sich selbst: Wo stehe ich, wie spüre ich mich, es wird die Ausrichtung auf sich selbst gestärkt, der Blick geklärt, es geht auch sehr viel um Klarheit.

Udo: Was ich auch sagen will ist, dass wir wirklich alle Schichten von Menschen in unseren Kursen haben, Ärzte, Putzfrauen, LKW-Fahrer… das ist im Wald aber nicht wichtig. Da wird keiner sagen: „Ich bin Doktor“. Niemals habe ich beobachtet, dass einer „schlechter“ ist oder sich „schlechter“ fühlt. Denn wir sitzen alle in einem Boot bei einem Kurs. Wir machen alles gemeinsam. Jeder hilft dem anderen. Das ist nicht so wie man es aus anderen Kursen kennt, wo vielleicht alles nur auf einem Flipchart steht. Bei uns ist alles praxisbezogen, zu 80 Prozent. Es geht darum, was du hautnah mitkriegst, was du spürst.

Doris: Was zentral ist, ist die Rolle von Akzeptanz, von atmen, wirklich auch zu spüren, was ist das Leben – das Leben als Wunder begreifen, als Geschenk, als etwas, das man eigenverantwortlich ausfüllen muss. Das ist etwas, was sicher auch im Zentrum steht. Und beiläufig weitet man den Blick auf die Natur. Es fallen einem mit Sicherheit dann auch wieder Vögel auf, das Gras, es wird die Verbundenheit zur Natur gestärkt und aktiviert, so dass man bewusst auch wieder Kontakt zur Natur aufnimmt, um sich selbst zu helfen. Um die eigene Natur zu stärken, dieser Konnex, die Stärkung der Naturverbundenheit steht im Mittelpunkt der Naturresilienz.

Udo: Was mich auch sehr berührt ist die Natur als Nahrungsquelle. Die Geschmäcker, wie eine Himbeere schmeckt, die man kauft und eine, die man pflückt. Das ist ein Riesenunterschied. Oder welche Gräser man essen kann. Oder man merkt auf einmal, dass die Brennnessel gar nicht brennt, wenn man sie richtig anpackt und dass man aus ihr zum Beispiel Chips machen kann.
Sowas bringen wir unseren Teilnehmern auch bei. Alles spielerisch. Ich zeige alles vor und du darfst es nachmachen. Und wenn du dich nicht traust, gebe ich dir einen kleinen Schubs.

Bettina: Das klingt sehr beeindruckend. Was ist eure Erfahrung nach der ersten Saison im Bereich Teambuilding? Schweißt so ein Natur-Resilienz-Training ® bei euch auch zerrüttete Teams wieder zusammen?

Doris: Total! Unser erster Teambuilding-Auftrag hat bei strömendem Regen stattgefunden, unter den schlechtesten Bedingungen, die du dir vorstellen kannst. Und man muss auch sagen, dass diese Gruppe mit echten Schwierigkeiten auf uns zugekommen ist. Die Teilnehmer sind aber an diesem Tag wirklich zusammengerückt. Das Wetter hatte insofern also auch eine positive Wirkung. Das Erleben der Naturelemente, gemeinsam unter dem Zelt zu sitzen oder wie in diesem Fall unter der Decke zu kuscheln, weil es kalt war, dieses total im selben Boot zu sitzen, dieses Naturerleben, alle sind wir dem jetzt ausgeliefert – diese Akzeptanz und das Beste daraus zu machen, das war bei diesem ersten Teambuilding sehr schön. Aber auch die Folgegruppe, das waren Teenager im Rahmen von einem „Kennenlerntag“, die kannten sich also alle nicht und waren furchtbar aufgeregt und nervös und voller Angst voreinander. Da haben wir einfach viel Raum gegeben, dass sie sich im Gelände bewegen können. Wir haben ja viele Plätze geschaffen: Man kann in der Hängematte chillen, auf die Baumzelte klettern, man kann sich auf ein ruhiges Bankerl setzen, auf die Picknickdecke, es gibt ganz viele Möglichkeiten sich im Raum zu bewegen. Und dieses gemeinsame sanfte Bewegen zu ermöglichen, ohne Stress, und dabei einfach die Naturreize die unterschiedlichsten wirken zu lassen, das fördert das Miteinander auf angenehme Art und Weise. Man wird sozusagen getragen und es entsteht Verbindung.

Udo: Oder wenn ich die 24-Stunden „Survial night only“ anbiete: Das sind meist alleinstehende Frauen die alleine oder mit ihren Kindern eine Waldübernachtung machen. Die sehen zum ersten Mal, dass sie in der Natur getragen sind und spüren diesen Bann der Natur. Wenn sie ankommen, haben sie vielleicht Angst. Aber dann merken sie, ich bin einfach da. Sie fühlen sich wohl, das Feuer knistert und sie erzählen mir Sachen, die sie vorher vielleicht noch nie wem erzählt haben. Es findet diese Öffnung statt, einfach aufgrund der Sicherheit. Ohne bewertet zu werden, oder selbst irgendwas zu bewerten. Ich halte mich da komplett zurück. Es ist die Zufriedenheit, dieses Lagerfeuer, das gemeinsame Kochen, die Geräusche oder die Dunkelheit und wenn man dann in die Sterne schaut. Das ist einfach schön.

Doris: Was man dazu auch sagen muss ist, dass wir ein sehr geschütztes Kursgelände haben.
Man kann nicht wirklich reinschauen, man muss sich nicht weit fortbewegen, dieser Schutzcharakter ist uns sehr wichtig, um dieses Fallenlassenkönnen zu ermöglichen. Es kommen viele Menschen zu uns, die entweder ein sehr hohes Stresserleben oder wirkliche Ängste haben und es gelingt dort wirklich sehr gut, wieder zur Ruhe und auch zur Freude zu finden. Das ist unser Ziel für die Menschen.

Bettina: Ihr habt schon ein paar Mal euer Gelände erwähnt mit den vielen unterschiedlichen Plätzen. Was ist denn für jeden für euch im Zauberwald euer persönlicher Lieblingsort?

Udo: Bei mir ist es der Pavillon. Wenn ich dort esse, mir einen Tee mache oder meinen aufgeschlagenen Cappuccino trinke, setze ich mich einfach rein und kann auf dieses Stückchen Wald schauen, wie durch ein Fenster, und die Tiere beobachten.

Ich habe dort einen eigenen Stuhl für mich, halb Liege, halb Sessel, so einen Relaxstuhl. Wenn ich da draufliege, die Füße hoch und in die Bäume schaue, dann kommt vielleicht das Eichhörnchen runter, guckt mich an, macht dann so lustige Geräusche auf dem Baum, haut dann wieder ab, verschiedene Vögel sind einen Meter neben mir am Baum, das ist einfach ein Erlebnis. Man hört das Wasser von unserem kleinen Bach, da habe ich letztens einen Flusskrebs gesehen, wie er hochgewandert ist. Das sind einfach Eindrücke da kann ich sagen, das ist mein Lieblingsplatz, da könnte ich stundenlang sitzen. Für mich gibt es da auch kein Wetter, ich muss mich halt dementsprechend anziehen. Ich kenne das Waldgrundstück jetzt genau ein Jahr und wir haben schon alles gesehen, fangen aber jetzt erst an zu begreifen, was wir da geschaffen haben. Wir kreieren schöne Orte und sind jetzt schon dabei wieder neue zu kreieren. Für die Teilnehmer ist alles neu, aber wir gehen jetzt noch tiefer rein.

Doris: Ja, es kann nicht fad werden. Mir sind jetzt auch drei Lieblingsplätze eingefallen. Ich liebe es auf diesem schwarzen Trapez zu liegen und in die Bäume zu schauen. Ich kann mich dort wahnsinnig gut entspannen. Und was ich ganz toll finde ist, dass man da die Insekten und Vögel beobachten kann, die auf den unterschiedlichsten Ebenen ihre Geschäfte verrichten im Verkehr. Das ist mir dort das erste Mal aufgefallen.
Also dass die Lebewesen in der Luft auch sozusagen ihre unterschiedlichen Stockwerke haben und ihre Straßen und Bahnen. Das habe ich sehr, sehr gerne. Da kann ich echt versinken.
Ich liebe es aber auch auf unserer Bank vor unserem Torii zu sitzen und auf das Torii zu schauen oder über das Torii hinaus in die Hügel von Gablitz und dem Farn beim Wachsen zuzuschauen und die Buddha-Statue – das mag ich irrsinnig gern. Ich gehe dort fast nie vorbei ohne mich hinzusetzen. Und was ich auch sehr gerne mag ist der Platz, wo ich das erste Mal im Freien geschlafen habe in der Hängematte, wo man auch auf die Lichtung hinaussieht, auf die Hügel, wo auch das Eichhörnchen gerne hin- und herspringt.

Bettina: Es geht ja bei Natur-Resilienz-Training ® viel um Stressregulation und den Umgang mit herausfordernden Situationen. Was bringt euch an eure persönlichen Grenzen?

Doris: Was mich wirklich an meine Grenze bringt ist, wenn es zwischen Udo und mir nicht so gut läuft im Setting. Wenn es bei uns nicht harmonisch abläuft, das ist für mich dann schwierig. Wir vermeiden das natürlich so gut wie möglich, um uns auch gegenseitig Rückendeckung zu geben, aber sowas stresst mich schon.

Udo: Also ich sag mal was mich manchmal an meine Grenzen bringt ist das Wetter. Es bringt mich an die Grenzen, wenn wir es nicht erwarten wie zum Beispiel bei diesem Teambuilding. Für mich war das einfach eine Grenze, weil ich alles sehr rasch überdachen musste.
Auf andere mag ich dann hektisch wirken, weil ich so schnell reagieren und arbeiten muss, aber das ist es nicht. Sondern eher, weil ich dann für meine Kunden nicht da sein kann. Ich bin darin schon ein Spezialist, spontan und sofort zu reagieren, jeden mitzunehmen, das ist ja Survival. Das finden auch unsere Kunden immer extrem toll.

Doris: Das Witzige an der Frage ist, dass wir im Natur-Resilienz-Training ® genau daran arbeiten an diesen Grenzen. Das heißt, wenn Situationen entstehen, wo wir uns herausgefordert fühlen, wo man die Komfortzone verlässt, wenden wir das ja auch sofort auch an uns an: Akzeptanz, Spontanität, Kreativität usw. Und das können ganz viele Dinge sein. Aber in diesem Setting dort ist es anders an seine Grenzen zu geraten als im Alltag. Ich habe es im Wald noch nie erlebt, dass ich gesagt hätte, boah, ich pack das jetzt nicht. Was ich aber ganz schlecht aushalte ist Hektik.

Udo: Bei sowas bin ich super! Ich liebe es, wenn eine Welle auf mich zukommt, die nicht erwartbar ist. Meine Stressmomente im Alltag sind ganz normale Papiersachen. Das stresst mich wirklich.

Bettina: Habt ihr das Gefühl, dass ihr diese Tools durch das, was ihr schon alles erlebt und erlernt habt, selbst so verinnerlicht habt, dass ihr sie jederzeit anwenden könnt?

Doris: Natürlich, sonst könnte ich sie nicht vermitteln. Es geht ja nicht darum, dass man sich nicht mehr aufregt, wenn man solche Dinge lernt. Sondern es geht darum, sich schnell wieder regulieren zu können, es händeln zu lernen und es zu akzeptieren. Ich habe erst unlängst wieder einen Gedanken gehabt zur Balance im Leben. Bei Stress oder auch bei Depression geht es ja darum, dass man die Balance verliert. Aber Balance ist ja kein statischer Zustand, kein Idealzustand den man für immer erreichen kann, sondern es ist etwas, was man ständig wiederherstellen muss. Weil wir dem Leben und seinen Einwirkungen unterliegen, verlieren wir ständig die Balance. Das ist aber normal.

Denn die Kunst zu Leben bedeutet einfach immer wieder auszubalancieren. Und das ist etwas, das wir ständig tun müssen und worin wir immer besser werden können durch Übung – und wenn man es bewusst macht. Aber es ist nie so, dass es dann einfach so ist, weil das Leben ist ja eine ständige Bewegung. Diese ständige Bewegung wird von allen möglichen Einwirkungen erzeugt. Und wie findet man die Balance am besten? Wenn man in der Mitte ist, wenn man im Schwerpunkt ist, um den herum man sich bewegt. Und das ist auch etwas, das wir in der Naturresilienz vermitteln wollen: diese Kunst, in Balance zu bleiben. Weil das einfach für die Resilienz ganz wichtig ist.

Wenn man einem Extremerlebnis ausgesetzt ist, ist man besonderen Einwirkungen ausgeliefert und muss besonders gut in der Mitte bleiben können um das zu händeln und ohne selbst zu viel Schaden zu nehmen. Also dieses Begreifen, diese Natur des Lebens, ist ein wesentliches Thema beim Natur-Resilienz-Training ® und da hilft einfach der Blick in die Natur. Was passiert eigentlich in der Natur? Ein Baum ist ganz vielen Dingen ausgeliefert. Ein Baum lebt nicht in der Komfortzone. Keine Pflanze und kein Tier lebt in einer ständigen Komfortzone. Komfortzonen gibt es nur kurzfristig, ansonsten ist man Widrigkeiten ausgesetzt, sei es bei der Futtersuche oder der Frage, wie wende ich mich dem Sonnenlicht am besten zu, die Stürme, die Elemente, die Witterung, auch Revierkämpfe das ist normal. Nur wir zivilisierten Menschen glauben, dass das nicht so sein darf. Und wir ziehen uns in unseren Komfortbunker zurück, um uns dem nicht ausliefern zu müssen. Aber wir verlieren letztendlich nach unserer ganzen zivilisatorischen Entwicklung und unseren Bestrebungen nach Bequemlichkeit den Bezug zur Natur. Nicht nur zur äußeren, auch zu unserer eigenen Natur. Das ist im Natur-Resilienz-Training ® ein wesentlicher Pfeiler da wieder hinzuschauen. Was ist eigentlich unsere Natur? Schaut einmal in die Natur, dann begreift ihr vielleicht auch wieder eure eigene Natur.

Udo: Ich muss was zum Thema Komfortzone sagen. Ich habe ein kleines Häuschen und habe mir einfach gesagt, ich bin Survivaltrainer und Naturresilienztrainer und müsste eigentlich auch so leben, wenn ich das vermitteln will. Seitdem schlafe ich eigentlich nur mehr draußen, im Biwacksack oder in der Hängematte, bei Wind und Wetter, bei Schnee, das ist mir egal. Mittlerweile bin ich auch Produkttester bei einer Hängemattenfirma, das spornt mich zusätzlich an, weil ich Prototypen bekomme, die ich austesten kann. Also ich kann wirklich sagen, ich bin immer mehr in der Natur, ich entgleite immer mehr der Komfortzone. Ich krieg auch wahnsinnig viel Energie davon.

Doris: Ja, das füllt ihn mit Lebensenergie, das ist unglaublich.
Das bringt er mit dem Survival beim Naturresilientraining stark ein, die Komfortzone zu verlassen. Außerhalb der Komfortzone wartet die Freiheit.

Udo: Das stimmt. Natürlich ist es aber so, wenn du das erste Mal draußen in der Hängematte schläfst, kannst du vielleicht nicht gut schlafen. Du musst dich an alles gewöhnen, da sind so viele Geräusche. Da fragt man sich schnell mal: ui, was ist das? Aber beim zweiten, dritten, vierten Mal da schläfst du wie ein Baby.

Bettina: Was lernt ihr selbst eigentlich von euren Kunden?

Udo: Ich lerne, was der Kunde empfindet. Wir fragen ja immer, was hat euch gefallen, was hat euch nicht gefallen und haben dafür auch Feedbackbögen. Dadurch lerne ich immer etwas dazu. Die Erklärung, wie die Kunden das sehen, was wir machen, dadurch lernt man unheimlich viel.

Doris: Das, was ich durch die Arbeit mit den unterschiedlichsten Kunden gelernt habe ist, dass man der Natur, die wir ja als Co-Trainer miteinbeziehen, viel viel mehr vertrauen kann. Die Wirksamkeit von unserem Zauberwald ist auf die Menschen, mit denen wir arbeiten, noch viel größer als wir uns das eigentlich vorstellen konnten. Wir können also der Natur noch viel mehr vertrauen und uns selbst mehr zurücknehmen und der Natur noch eine größere Rolle zugestehen. Was mich fasziniert ist zu sehen, wie die Natur die einzelnen Menschen berührt, die zu uns kommen. Wie da einfach etwas passiert, wie Verbindung entsteht.

Udo: Das Interessante ist auch, der jüngste Teilnehmer war 5 Jahre alt, der älteste 60, aber alle fallen in diese Kindheitserlebnisse zurück. Wenn man zum Beispiel in der Hängematte liegt, fühlt man sich, als ob man in Mutters Bauch ist. Das ist das Fantastische. Man wird aufgefangen von der Natur.

Doris: Das unschuldige Kind in jedem Menschen wird berührt und einfach hervorgebracht und das ist dieses innere Leuchten was entsteht. Das ist das, was ich vor allem gelernt habe, was da passiert in diesen Prozessen, die wir nicht kontrollieren, nicht steuern können. Unsere Rolle ist die, dass wir die Gelegenheit und den Raum dafür schaffen in der Natur, damit das passieren kann. Und dass wir uns auch gegenseitig anstupsen. Das Ganze funktioniert nur dann, wenn es uns gelingt, in dieser Anbindung zu sein und in dieser Spontanität, in diesem Hier und Jetzt, in der Präsenz. Vertrauen ist auch ein großer Punkt, der Natur vertrauen, der Kraft des Universums oder wie du es nennen möchtest.

Udo: Was auch wichtig ist, dass wir wirklich in der Natur sind, aber trotzdem ein WC haben, eine Outdoor-Küche, Wasch- und Schlafgelegenheiten in der Natur, Zelte…

Doris: Ja, unsere Form von Natur-Resilienz-Training ® ist, im Unterschied zu Survivalangeboten, bei denen man nur in die Wildnis geht, dass die Kunden bei uns beides haben: den Wildnistouch und die Zivilisation. Es geht ja nicht darum, dass man auf alles verzichten muss, was die Kunden bei uns auch sehr schätzen.
Udo: Ich biete ja auch Hardcore-Survival an. Da hatte ich eine Gruppe, die das hautnah mitbekommen hat, was Hardcore- Survival eigentlich ist. Das waren Ausrüstungsspezialisten, die noch viel bessere Ausrüstung hatten als ich. Ausrüstung ist schön und gut. Aber wenn man keine Ausrüstung mehr hat, wenn man sie ihnen wegnimmt, muss man trotzdem weitermachen. Ich gehe auch extern in den Wald bei meinen Kursen, aber wir schlafen – aus rechtlichen Gründen – nur in unserem Gelände und machen auch nur dort Feuer. Ich möchte den Menschen im Survival wirklich ein Mikroabenteuer geben. Die Ausrüstung stelle ich zur Verfügung, damit sie alles haben und nutzen können und nicht extra kaufen müssen.

Bettina: Wie nehmt ihr eigentlich die zunehmende Digitalisierung wahr? Hat sich das Stressniveau der Menschen dadurch gesteigert?

Udo: Die Menschen sollen einfach lernen, abends das Handy auszumachen, damit sie nicht immer verfügbar sind.

Doris: Du bist auch durch das Handy in einer ständigen Erwartungshaltung. Diese ständige Verfügbarkeit bewirkt, dass ich meine Aufmerksamkeit ständig nach außen gerichtet habe. Es ist ein ständiger Zug aus meiner eigenen Mitte nach außen. Das ist diese Erwartungshaltung, die nach außen ins Leere gerichtet ist. Das bewirkt natürlich etwas. Ich bin weniger geerdet, ich bin weniger zentriert und ich bin auch weniger konzentriert und weniger gesammelt. Der Geist ist immer mit der Aufmerksamkeit zu einem Teil weg. Das verbraucht auch Energie. Im Natur-Resilienz-Training ® geht es auch darum, den bewussten Umgang mit den eigenen (Energie-)Ressourcen zu üben.

Bettina: Was sind eure weiteren Pläne mit „Naturresilienz & Co.“?

Udo: Dieses Jahr wollen wir noch tiefer in die Natur gehen mit neuen schönen Plätzen in unserem Grundstück. Und wir planen nächstes Jahr auch ein Natur-Resilienz-Training ® in Schweden. Genau das Gleiche wie hier, nur dass wir dort puren Luxus haben in der Natur. Die Natur in Schweden ist unheimlich stark. Man erlebt sie noch intensiver. Du hörst dort kein Auto, kein Flugzeug, nichts, du schreist in den Wald hinein und ein Elch röhrt zurück (lacht). Das Angebot in Gablitz ist bewusst niederschwellig gehalten, auch von den Kosten her. Schweden ist sozusagen noch eine intensivere Auszeit gleichzeitig.

Bettina: Ihr seid mit so viel Leidenschaft bei eurem Projekt dabei, mit so viel Liebe. Haben sich eure Wünsche und Vorstellungen nach dieser ersten Saison erfüllt oder sind sie sogar übertroffen worden?

Udo: Das ist eine gute Frage! Die sind übertroffen worden, übertroffen worden, übertroffen worden, nochmal übertroffen worden und wir wissen noch nicht, wo uns die Übertroffenheit noch hinführt (lacht).

Doris: Das hast du gut ausgedrückt. Wir hätten uns ja gar nicht vorstellen können, was daraus wird. Da sind wir wieder bei dem Thema Hand in Hand mit der Natur. Dieses Grundstück hat uns erst die Möglichkeiten vor Augen geführt und wir haben noch lange nicht alles gesehen und begriffen, was möglich sein wird. So weit haben wir das schon kapiert, dass es so läuft. Dass das ein großes Ding ist, was da entsteht und wir einfach nur schauen müssen, was als nächstes kommt. Dieser Faktor Vertrauen ist zentral. Vorgestellt haben wir uns ursprünglich etwas anderes. Also von diesem Grundkonzept „Natur-Resilienz-Training ®“ wie wir es ursprünglich gelernt haben, sind wir ziemlich abgerückt.

Udo: Wir haben im Winter letztes Jahr eine erste Beschauung gemacht von dem Grundstück. Was ich seitdem mit meiner körperlichen Arbeit und Doris mit ihrer Organisation dort geschaffen haben, selbst das konnten wir uns niemals vorstellen.

Doris: Ich glaube, wenn wir es uns vorher so vorgestellt hätten, hätte es uns abgeschreckt (lacht). Es ist jetzt auch bei mir die Akzeptanz, dass das jetzt in unserem Leben ist und auch wachsen darf. Und jeder Mensch, der da hineinkommt, ist sozusagen wie ein Samen, der zu dem Ganzen beiträgt und es nährt. Es ist ein ganz guter Geist dort. Und der wird immer intensiver, auch durch die Menschen. Das Schöne, was man an dieser Stelle auch dazu sagen kann ist, dass die Frau, die das Grundstück ursprünglich angelegt hat, Gärtnerin war. Das war ja alles sehr sumpfig und verwildert. Sie hat das dann mit einer unglaublichen Liebe kultiviert. Da steckt also ganz viel Liebe drinnen, das ist etwas, was wir auch spüren. Dass da schon so ein guter Geist am Werk war. Und dieser Menschengeist, der dort eingebracht worden ist, wirkt auch auf die Natur. Man fühlt sich einfach von der Natur angenommen und willkommen. Das ist dort wirklich so, dass man es so empfindet, dass einen die Natur freundlich umarmt und willkommen heißt. Es gibt so eine Interaktion zwischen Mensch und Natur an diesem Platz, die einfach spürbar ist.

Bettina: Euer Angebot ist ziemlich einzigartig, oder?

Doris: Ja, auf die Art, wie wir es anbieten, ist es einzigartig. Darum nennen wir es auch „Naturresilienz & Co.“. Wir haben zwar kleine Teile übernommen von dem ursprünglichen Verfahren Natur-Resilienz-Training ®, wie es in Deutschland auch eingetragen ist und von der Gesundheitskasse bezahlt wird. Aber wir sind viel mehr erlebnispädagogisch orientiert durch unsere anderen Expertisen. Zu Resilienz passt Survival wie die Faust aufs Auge und Kampfkunst wie die andere Faust aufs Auge. Das heißt, wir haben einfach über Kampfkunst und Survival schon so viel über Resilienz zu sagen und zu zeigen und das bringen wir ganz stark in unser Projekt „Naturresilienz & Co.“ ein. Und wir haben durch den Raum, der uns zur Verfügung steht, das kreiert, was jetzt angeboten wird und es wird noch weiter wachsen.

Udo: Das Einzigartigste sind natürlich wir!

Doris: Das macht es natürlich auch aus. Darum treten wir als Mentoren auf, weil wir uns bewusst als Menschen mit unserer Gesamterfahrung einbringen. Wir sind nicht einfach nur als Trainer dabei, sondern wir sind als Mann und Frau an deiner Seite – ob du willst oder nicht (lacht). Das ist einfach ein anderer Zugang.

Bettina: Danke für das tolle Interview!